top of page
  • AutorenbildDominik

Mehrwertsteuer: Was man beim Bootskauf wissen muss! & Gutachten eines Stahlschiffs | BootsProfis #11


Begutachtung und Mehrwertsteuer für Sportboote
Begutachtung dieses 36 ft. Stahlschiffs

Ein sehr wichtiger Punkt beim Bootskauf, auf den man unbedingt achten sollte, ist die Mehrwertsteuer bzw. Umsatzsteuer. Worauf es ankommt, erklären wir in diesem Video!

Anlass für dieses Thema bietet ein 36 ft. Stahlschiff, das wir begutachten. Der Martin möchte dieses Segelschiff kaufen, um damit bald mit seiner Familie auf Blauwasser Fahrt zu starten und für länger zu segeln. Er hat sich für dieses Stahlschiff entschieden, weil es viel Platz bietet durch den hellen Decksalon und ein gutes Angebot ist durch den günstigen Preis. 32.000 € Euro soll es kosten. Er hat uns engagiert, um das Schiff technisch zu checken und ein Gutachten zu machen. Wir sind also gemeinsam an Bord und begutachten jede Ecke der Yacht, testen den Motor, gehen eine Runde Testsegeln auf dem Greifswalder Bodden und dann wird das Segelboot sogar noch aus dem Wasser gehoben, damit wir das Unterwasserschiff checken können. Das war ein sehr interessanter Tag für uns! Ob Martin sich für das Schiff entscheidet und zuschlägt oder ob wir größere Mängel gefunden haben, das gibt's in dieser Folge BootsProfis! Und natürlich klären wir das wichtige Thema der Umsatzsteuer und welche Nachweise man beim Bootskauf dafür braucht.


Viel Spaß damit! Alle weiteren Informationen zur Steuer unter dem Video!



Das Thema Umsatz- und Einfuhrumsatzsteuer ist natürlich nicht nur für zukünftiger Eigner wichtig, die sich ein Segelboot kaufen möchten, sondern auch schon für jetzige Eigner. Denn wenn der Zoll anklopft und Nachweise für die Entrichtung der Steuer sehen will, dann muss man etwas zeigen können! Sonst wird das Schiff schnell mal an die Kette gelegt. Was gibt es also zu beachten?


1. Es muss ein Nachweis für die bezahlte Umsatzsteuer oder Einfuhrumsatzsteuer (bei Einführung in die EU) an Bord sein!


Gilt das für alle Boote? NEIN! Das entsprechende Gesetz wurde 1993 erlassen und gilt nur für Wasserfahrzeuge, die nach dem 1.1.1985 ihre erste Wasserung hatten. Für alle Schiffe, die älter als 1985 sind, muss man keinen Steuernachweis zeigen können. Allerdings muss man natürlich beweisen können, dass das Schiff älter als 1985 ist. Beim Inkrafttreten des Gesetzes wurden natürlich über Nacht Tausende Eigner steuerschuldig. Und für Schiffe älter als 1985 hat man krampfhaft versucht, durch Liegeplatz- oder Reparaturrechnungen zu zeigen, dass das Schiff tatsächlich älter als Baujahr '85 ist. Der Bootsschein gilt häufig nicht. Das Problem beim Bootskauf: diese Rechnungen haben damals als Nachweis ausgereicht. Vom Finanzamt gab es allerdings keine spezielle Bescheinigung. Das heißt, wenn der Eigner diese (eigentlich nicht so wichtigen) Rechnungen verliert oder wegwirft, existiert für das Schiff plötzlich kein Umsatzsteuernachweis mehr. Genau das ist häufig der Fall, wenn man sich ein entsprechend älteres Segelboot kaufen möchte. Die Nachweise fehlen - besonders häufig bei mehrfachem Eignerwechsel.


2. Alle Schiffe jünger als 1985 sind betroffen! Für ältere Schiffe muss man das ältere Baujahr beweisen können!


Was gilt nun als Nachweis? Grundsätzlich werden die vorhanden Nachweise im Einzelfall auf Gültigkeit geprüft. Definitiv gelten originale Verkaufsrechnungen vom Hersteller mit ausgewiesener Umsatzsteuer. Ebenfalls Zollunterlagen, die die bezahlte Einfuhrumsatzsteuer zeigen, wenn das Schiff aus einem Nicht-EU-Land importiert wurde. Definitiv NICHT gelten Erklärungen von Versicherungen oder Privatpersonen, wie dem Vorbesitzer des Schiffs, dass die Steuer bezahlt wurde.

Unser Stahlschiff im Video ist nun allerdings ein Eigenbau. Das heißt, der Rumpf wurde geschweißt und alle anderen Arbeiten wie Innenausbau, Rigg, Elektrik, etc. sind entweder in Eigenleistung geschehen oder durch Werften. Mindestens sind allerdings mehrere Lieferanten im Spiel. Und da es nicht eine einzige große Rechnung gibt, müssen diese vielen kleinen Lieferrechnungen an Bord sein, um die erbrachte Umsatzsteuer für die einzelnen Teile des Schiffs nachweisen zu können.


3. Für Eigenbauten gelten die einzelnen Lieferantenrechnungen für die verschiedenen Teile des Schiffs!


In anderen EU-Ländern, die der Gemeinschaft erst später beigetreten sind, ist der Stichtag für die Erbringung eines Nachweises übrigens (teilweise deutlich) später.

Bei einem Neu-Import aus einem Nicht-EU-Land wird unabhängig vom Baujahr die Einfuhrumsatzsteuer fällig und das in Höhe des Mehrwertsteuersatzes des Einfuhrlandes. Zugrundegelegt wird dann der Zeitwert des betroffenen Schiffs.

Wichtig zu wissen: In einem solchen Fall wird unter Umständen nicht nur der Eigner des Schiffs sondern auch derjenige steuerschuldig, der das Schiff persönlich einbringt.

Ebenfalls wichtig: ist das Schiff schon älter, bleichen entsprechende Dokumente auch gerne mal aus. Also unbedingt rechtzeitig einscannen oder fotografieren, um vorzubeugen.


Was also tun, wenn man sich für ein Sportboot interessiert, für das es keine oder nur unzureichende Nachweise der Umsatzsteuer gibt?


Grundsätzlich kann man Zoll oder Finanzamt mit einbeziehen und erfragen, was in diesem Einzelfall nun genau zu tun ist. Stellt sich heraus, dass es keinen gültigen Nachweis gibt, Finger weg! Es sei denn, man hat das nötige Kleingeld in der Hinterhand, um die eventuell anfallende Steuerschuld begleichen zu können. In dem Fall selbst aktiv werden und beim Finanzamt melden, bevor man in eine Kontrolle gerät. Als dritte Variante kann man im Kaufvertrag festhalten, dass der Verkäufer alle Steuernachweise beim Kauf übergeben muss und für jegliche Schäden haftet, die durch Fehlen dieser Nachweise anfallen.


Für neu gekaufte Schiffe gilt übrigens das Bestimmungslandprinzip. Kauft man beispielsweise als Deutscher ein Sportboot in einem anderen EU-Land und überführt es nach Deutschland, ist es im Herstellungsland steuerfrei, muss allerdings in Deutschland versteuert werden.



 

Übrigens: Das Segelboot im Video war auf Boat24.com inseriert, dem Sponsor dieses Films und Bootsbörse mit über 26.000 Gebrauchtbooten - für uns die erste Anlaufstelle, wenn wir auf Bootssuche sind. HIER zur Plattform: https://www.boat24.com


Im Blog von Boat24 gibt es auch zwei Artikel zum Thema Mehrwertsteuer bei Gebrauchtbooten. Wer sich noch mehr darüber informieren möchte, hier die Links!




12.169 Ansichten6 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

6 hozzászólás


liz suki
liz suki
febr. 26.

Wie sieht der Nachweis aus, Wenn man mit dem Boot länger in einem Nicht-EU Land verweilt?

Montenegro 😉, Karibik, Türkei....

Wenn man zB das Boot dort länger liegen hat, weil man selber nicht dort sein kann usw...

Ist man dann in der Pflicht, sich die jeweilig unterschiedlichen Regelungen in dem Land in Erfahrung zu bringen? Oder reicht (wie lange?) die Angabe des Heimathafens?

Kedvelés

Andi Tausend Ps
Andi Tausend Ps
2022. febr. 05.

Schiff ahoi,

vielen Dank für eure tollen Videos und die wertvollen Informationen.

Zur Steuer hätte ich jedoch noch eine Frage.


Es geht um ein Schiff Baujahr 1995, welches nicht versteuert wurde.

Wenn ich (Österreicher) ein Schiff (registriert seit neu in Österreich) von einem Ungarn kaufe, das in Slowenien gebaut wurde und seit Jahren in Italien steht, bei welchem Finanzamt ist die Steuer zu begleichen?


Würde mich über eure Antwort freuen😉

Mast und Schotbruch,

Andi


Kedvelés

Lex Maxwell
Lex Maxwell
2020. okt. 14.

Deutsche haben keine Ahnung von MwSt für Boote. Aber warum? Wir versuchen jetzt ein Boot im Raum Bremen zu kaufen. Wir haben ein duzend Schiffe von 17 bis 38 Fuß angeschaut. Von 1000€ bis 24000€. Alle älter als 1985. Bei den meisten fehlen original Bau/Kauf Vertrag. Kein einziges hat einen VAT-Paid Brief vom Zollamt. Jeder Eigner war verwirrt, dass wir das Logbuch oder Quittungen von 1992-1993 haben wollen (nur eine hat es). Die meisten sind auch echte Segelverein Mitglieder. Die Hälfte erfahrene Segler. Niemand hat eine Ahnung. Ist das normal? Die Regel ist jetzt 17 Jahre alt. Belgien, Frankreich, Italien, und Griechenland kontrollieren ständig den VAT-Paid Status. Wie kann es sein, dass kein Deutscher davon was gehört hat??? Die Antwort will ich…

Kedvelés

Hallo zusammen in der neuen Yacht 3/2020 steht dazu ein interessanter Artikel

der aber jetzt vollends Verwirrung schaft !?

LG Kurt

Kedvelés

Hallo meine Lieblingssegler und Bootsprofis,

war ja ein Boot ganz nach meinem Geschmack, hätte ich auch gekauft.

Leider wohl auf einem Helgen mit vorab aufgestellten Spanten gebaut, deshalb die

zwangsläufig durch Schweißverzug entstanden Beulen, zu sehen im Unterwasserschiff.

Wie es meines Erachtens richtigerweise anders geht steht bei Anton Luft "So baue ich meine Yacht". Domi schau mal rein, da gibt es zahlreiche Dinge die bei Stahlyachten zu berücksichtigen sind. Hoffe im oberen Bereich des Schiffes wurde nicht zu viel gespachtelt.

Die Löcher für die Schotschienen gut konservieren und mit Sikaflex zusätzlich abdichten.

Kein Silikon, hält keine Farbe drauf.

Die Info zu MWST war echt gut und wichtig, da habe ich wieder was gelernt von Euch.

Macht Spaß Eure Arbeit zu…


Kedvelés
bottom of page